Welche Gestaltungsqualität wird erreicht, wenn Produktdesigner Hand in Hand mit Handwerkern und Herstellern wie zum Beispiel einem Korbflechter, einem Schmied, einem Katamaranbauer, einem Formholzproduzenten oder einem Glasapparatebauer zusammenarbeiten?
Was entsteht, wenn mit Materialien experimentell umgegangen wird und Herstellungstechniken auf den Kopf gestellt werden?

Die Arbeitsergebnisse dieser Co-Operationen werden zum Rundgang der Öffentlichkeit präsentiert.

Herzlichen Dank an alle Projektpartner als auch an alle Mitarbeiter der Holz- und Metallwerkstatt der HBK.

Das Get-together findet am 15. Juli 2016 um 16 Uhr vor den Katakomben der HBK statt – Broitzemer Str. / Ecke Pippelweg.

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Das Flechten mit natürlichen Materialien zählt zu den ältesten Handwerken der Menschheit. Weltweit kommen je nach Region verschiedenste Flechttechniken zum Einsatz. Vorwiegend in ländlichen Regionen Europas sind Schwingen – auch Rahmenkörbe genannt – verbreitet. Für diese Korbart wird ein Rahmen aus Weiden gebaut, welcher anschließend ausgeflochten wird.

Der Liegestuhl Mora ist nach dem gleichen Prinzip aufgebaut. In einen Rahmen aus Edelstahl ist die Sitzfläche aus Peddigrohr eingeflochten. Mora schwingt nicht, sondern lädt zu Ruhepausen ein.

––– MORA von Silvana Mariela Blanco de Frenzel in Zusammenarbeit mit Fred Jacob, Korb & Rattan Manufaktur, Berlin und Ingo Schäfer, Metallbaumeister, Liebenwerda sowie mit Peter Keyser, Metallwerkstatt der HBK Braunschweig

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Alleine in der EU werden laut Eurostat jedes Jahr etwa 25,2 Millionen Tonnen Kunststoffabfall produziert, wobei davon nur 6,6 Millionen Tonnen recycelt werden.

Ein Großteil dieses Mülls besteht aus alten Hausgeräten, die kaputt sind oder den Wünschen ihrer Besitzer nicht mehr entsprechen. Da die Geräte oftmals aus unterschiedlichen Kunststoffen bestehen, sind die Recyclingkosten hoch. Deshalb werden diese Geräte in der Regel in Abfalldeponien von Entwicklungsländern entsorgt. Dort werden sie, nachdem die wertvollen Stoffe entnommen wurden, einfach verbrannt. Darunter leiden nicht nur die Menschen vor Ort, sondern unser ganzer Planet.

Der Entwurf setzt hier an. Der Wasserkocher WSKCH ist hundert Prozent kunststofffrei. Glas, Keramik und Naturkautschuk ersetzen den Kunststoff. WSKCH ist nach dem Baukastenprinzip entwickelt. Sollte einmal ein Bauteil kaputt gehen, kann es ganz einfach ausgetauscht werden.

––– WSKCH von Petr Čajánek in Zusammenarbeit mit Stephan Eckert, Glasbläserwerkstatt der Fakultät Chemie & Mineralogie, Universität Leipzig

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Der Stuhl SOBREIRO zeichnet sich durch das ungewohnte Obermaterial seiner Sitzfläche aus. Es ist Kork – ein leichter und natürlicher Werkstoff, der sehr angenehm im Körperkontakt ist und hier von einem Segeltuch getragen wird. Die Abnäher im Segeltuch bringen die Sitzfläche in Form. Sie weisen nach außen und akzentuieren so rückseitig die Sitzfläche. Diese ist, wie wir es von einfachen Liegestühlen kennen, zwischen ein Gestell aus lackiertem Stahl gespannt.

––– SOBREIRO von Matthias Hüttmann in Zusammenarbeit mit Renate Willke und Olga Gorkin, Feldkamp Katamarane, Braunschweig sowie mit Peter Keyser, Metallwerkstatt der HBK Braunschweig

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Beton ist grau, kalt und schwer – keine Attribute, die man mit Wohnästhetik verbindet. Die interaktive Leuchte MELENCOLIA ist das Ergebnis einer intensiven als auch experimentellen Auseinandersetzung mit den Eigenschaften des Werkstoffs Beton. Durch die Verbindung mit transluzentem Polyurethanharz erzeugt sie eine behagliche Lichtstimmung. MELENCOLIA entspricht formal einem achtflächigen Polyeder. Jede der acht Flächen kann als Standfläche dienen. Die Lichtintensität im Raum variiert dementsprechend.

––– MELENCOLIA von Alexandra Holowiki in Zusammenarbeit mit Ralf Lücke, Kunststoffwerkstatt der HBK Braunschweig

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Schmieden, aber keine barocken Schnörkel! – so das Motto von Marius Heitmann. Er nutze manuelle als auch maschinelle Verfahren um Flachstahl zu bearbeiten. Für das Bein des Barhockers wurden drei Lagen gekantet und miteinander verschweißt, welche sich nach oben auffächern. Geschmiedete Bögen, vernietet mit dem Flachstahl, stützen die Sitzfläche. Die Spuren, die der Hammer als Verlängerung der Hand hinterlassen hat, sind auf den Bögen und Nieten gut zu erkennen. Der angebrachte Fuß und die Sitzfläche aus Birkenholz sorgen für ein angenehmes und langes Sitzen an der Bar.

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Wie einfach! Für die Sitzschale wurden in nur einem Verleimprozess zwei Formholzelemente gefertigt. Durch die Drehung eines Elements um 90 Grad, entstehen Sitz- und Rückenlehne. Das Fußgestell aus gestrahltem und grau lackiertem Stahlrohr ist zurückhaltend gestaltet. Es nimmt die Sitzschale ganz selbstverständlich auf.

––– 2U von Bujar Peci in Zusammenarbeit mit Joachim Schelper, Fritz Becker KG, Brakel und Heinrich Kampani, Klaus Krzykowski, Holzwerkstatt der HBK Braunschweig sowie mit Peter Keyser, Metallwerkstatt der HBK Braunschweig