Die Frage „Wie muss eine Einkaufshilfe gestaltet sein?“ ist allein nicht zielführend. In einem Workshop fächerten die Studierenden gemeinsam mit Thorsten Frackenpohl den Prozess des Einkaufens systematisch auf. WANN, WO, WIE, WAS kaufen wir ein? Mögliche Problemstellungen wurden dadurch identifiziert. Als Beispiel: „Was ist zu tun, wenn es wieder einmal mehr geworden ist? Wie befördere ich Getränkekisten nach Hause?“ Es tauchten aber auch Fragen auf, wie: „Welche Alternativen gibt es zum Einkaufen im Supermarkt? Wie wertvoll sind uns Lebensmittel? Welche Art von Verpackungen benötigen sie? Ist Einkaufen ein Pflichtakt? Wie bewusst gehen wir einkaufen, wie bewusst wählen wir aus?“

Die getroffenen Annahmen haben die Studierenden in Deutschlands Metropole – in Berlin überprüft. Ausgestattet mit Fragenbögen starten sie ihre Beobachtungen und Interviews im Forschungsfeld. Sie besuchten Supermärkte, Wochenmärkte als auch besondere Geschäfte wie zum Beispiel Original Unverpackt. Sie sprachen mit Kunden und Verkaufspersonal. Die Auseinandersetzung vor Ort half den Studierenden, die Nutzer und den jeweiligen Handlungskontext besser zu verstehen. Losgelöst vom Schreibtisch sammelten sie grundlegende Erkenntnisse für ihre weitere Arbeit.

Wieder zurück in Braunschweig sprachen wir mit Philipp Bree über die Relevanz geliebter Objekte. Unter seinem Label PB 0110 entwickelt, produziert und vertreibt er Taschen und Accessoires – Dinge, die im alltäglichen Gebrauch eine Individualität entwickeln und mit der Zeit zu unverzichtbaren Begleitern werden.
Er gewährte uns bei seinem Besuch auf begeisternde Art und Weise Einblick in sein Unternehmen.

Nach der Auswertung der gesammelten Informationen war für die jeweiligen Teams schnell klar, welche Richtung ihr Projekt nehmen wird. Neben den Fakten waren auch individuelle Interessen maßgebend. Es zeichnete sich früh ab, dass viele der Entwürfe in textilen Materialien realisiert werden. Es wurden mehrere Nähmaschinen angeschafft. Für einige der Studierenden waren es die ersten Versuche mit Nadel und Faden. Die entsprechenden Materialien wurden bestellt und getestet. Mittels einer Vielzahl von Modellen nahmen die Ideen Schritt für Schritt Gestalt an.

Die entstandenen Prototypen sind mehr Medium denn fertiges Ergebnis. Sie veranschaulichen die Ideen, Standpunkte, Aussagen und Haltungen der Studierenden. Entstanden sind Einkaufshilfen die das Gesamtsystem „Einkauf“ mit berücksichtigen. Davon lenken einige den Focus auf den Umgang mit Lebensmitteln und auf Konsumalternativen. Andere ermöglichen den Transport von Lasten. Die meisten Taschen können auf verschiedene Arten getragen werden und leisten auch in anderen Alltagssituationen gute Dienste. Sie alle sind ideale Begleiter für moderne Jäger und Sammler.

Am 6. Mai 2015 wurden die “Kleintransporter” der Öffentlichkeit präsentiert. Das Format: eine Modenschau.

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Die Tasche hat einen ausgeprägten Accessoire-Charakter. Sie ist für den jungen Stadtbewohner gedacht, der vor allem spontan kleine Mengen einkauft und dabei eine gute Figur machen möchte. Die Dehnbarkeit des Materials ermöglicht es, auch sperrige Güter zu transportieren und seinen Einkauf auf verschiedenste Weise am Körper zu tragen. Durch die Reduzierung auf zwei Nähte und das Veröden der Schnittkante an den Henkeln, wird ein Ausreißen des Materials verhindert. Die Lederpatches stoppen das Überdehnen.

––– STRETCH SHOPPER von Marius Harter

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Wäre es nicht schön, wenn man die Waren, die man auf das Band an der Kasse gelegt hat, mit einem Griff einpacken könnte? TUTA ist ein Tuch, das sich mit wenigen Handgriffen ausbreiten und mit einer Schnur zu einer Tragetasche zusammenraffen lässt. Die Taschenform ergibt sich durch das Gewicht und die Größe der Waren – der Name aus den ersten zwei Buschstaben der Wörter „Tuch“ und „Tasche“.

––– TUTA von Runing Zaoh

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Wenn man nach Konsumalternativen in der Wegwerfgesellschaft von heute sucht, stößt man auf eine kleine Gruppe von Menschen, die das „Containern/Dumpstern“ für sich entdeckt und zum Teil ihrer Lebensart gemacht hat. Containert wird nachts, wenn die Läden geschlossen haben und der Zugang zu den Mülltonnen frei ist. Meist ist man mit dem Fahrrad unterwegs, um gegebenenfalls schnell verschwinden zu können. Die Taschenkonstruktion bietet die für einen Dumpster-Ninja notwendige Handfreiheit. Die Tasche lässt sich leicht am Körper festschnallen und schnell befüllen. Eine separate Tasche für private Dinge wie Laptop, Bücher etc. kann befestigt werden. Spontane Einsätze sind so möglich und Verschmutzungen werden vermieden.

––– URBAN NINJA von Melis Sivasli