HBK, Braunschweig, 25.-26. Januar und 8.- 9. Februar 2014

Gerhard Kellermann führte die Studierenden an den sicheren Umgang mit Kamera und Studiotechnik heran. Der Fokus des Workshops war auf die alltäglichen Bedürfnisse in der Design-Praxis gerichtet: schnelle, einfache, jedoch gute Schnappschüsse als auch professionelle Studioaufnahmen.

Die Studierenden analysierten und diskutierten zunächst Bildbeispiele. Sie lernten so die genutzten fotografischen Mittel und Möglichkeiten kennen und die Qualität von Fotografien besser zu beurteilen.

Der zweite Termin Stand ganz im Zeichen der Bildaufbereitung. An diesen Tagen ging Gerhard Kellermann auf alle wichtigen Schritte und Werkzeuge der Nachbearbeitung ein.

Interview: Kerstin Kaczmar
Warum sind gute Fotos wichtig?
In unserem Alltag sind wir von einer Fülle von Bildern umgeben. Sie sind ein einfaches und zugängliches Kommunikationsmittel. Die Technik machte es möglich. Bilder sind schnell gemacht und jederzeit und überall sichtbar – ob bei Facebook, auf Blogs, in Online-Portfolios oder in Printmedien. Sie alle buhlen um unsere Aufmerksamkeit. Umso wichtiger sind Bilder, die aus dieser überbordenden Bilderflut hervorstechen. Zudem sollte sich jeder Student die Frage stellen, was bleibt nach der getanen Arbeit übrig? Papierskizzen gehen im Chaos unter und Modelle zu Bruch. Gute Bilder sind ein wichtiges Medium um seine Arbeit zu dokumentieren. Darum auch der Tip: Backup, Backup und nochmals Backup.

Wodurch zeichnet sich gute Produktfotografie aus?
Gute Produktfotografie stellt Objekte nicht ‚schön’ dar, sondern erklärt diese. Sie zeigt die Funktion, das Besondere und den Kontext. Gute Produktfotografie bildet nicht ab, sondern kommuniziert. Sie setzt sich mit dem Betrachter und dem Medium, auf dem die Aufnahme zu sehen ist, auseinander. Ist es ein Print, ein digitales Portfolio oder eine Website? Die Aufnahme kommuniziert mit den Bildern, die sich auf den Seiten davor und danach befinden.

Wer sind Deine Vorbilder? Und warum?
Ich habe sehr viele Vorbilder. Jeder der Fotografen steht für einen besonderen Stil. Das wichtigste für mich ist, immer wieder neue Fotografen zu entdecken, um so mein eigenes Verständnis und meine eigene Bildsprache zu erweitern. Müsste ich einen Namen nennen, wäre es Guy Bourdin. Mit seinen narrativen Bildinhalten und seiner surrealen Bildsprache brach er radikal mit allen Konventionen der Mode- und Werbefotografie. Er war einer der ersten Fotografen, der anstelle eines Produkts eine Erzählung zum Bildinhalt erhob. Würde man eins seiner Bilder heute auf einem Cover abdrucken, würde nur das Aufnahmedatum Rückschlüsse auf den Zeitpunkt der Entstehung zulassen.

Welchen Stellenwert hat die Nachbearbeitung von Fotos in Deiner Arbeit?
Jede Aufnahme ist wie ein Negativ, erst durch die digitale Entwicklung wird es zum Bild. Was früher durch Chemikalien und ausbelichten geschah, passiert heute am Computer. Kreiert und plant man ein Bild, gibt es unendlich viele Möglichkeiten und Mittel, um das gesteckte Ziel zu erreichen. Nachbearbeitung ist eines davon. Oft und vor allem im Studium ist das eigene Equipment limitiert. Nachbearbeitung kann in dem Fall das Leben sehr erleichtern und hilft Zeit zu sparen.

Welche Aspekte vermittelst Du in der Lehre? Was sollen zukünftige Designer unbedingt können?
Designer müssen keine perfekten Fotografen sein. Sie sollten aber an Fotostilen und Bildsprache interessiert sein. Sie kennen ihre Produkte am besten und können dann bei der Planung und Produktion der Bilder ihr fotografisches Verständnis einfließen lassen und so für ein Optimum sorgen. Dabei geht es nicht um das perfekte, cleane Bild. Wie bereits erwähnt, zeichnet sich gute Produktfotografie durch aus, mehr als nur das Produkt zu beschreiben. Ob die Aufnahme mit einem Handy oder einer Mittelformatkamera aufgenommen wurde, ist dabei nicht entscheidend. Wichtiger ist die Botschaft, die Aussage die ich treffen möchte.

Was hast Du für Dich aus der Zusammenarbeit mit den Studierenden mitgenommen?
Ich arbeite gern mit Studierenden. Sie haben meist eine andere Betrachtungsweise und Auffassung, da sie dem Medium Bild neutraler gegenüber stehen. Was mich sehr freut, ist die wachsende Begeisterung und das Interesse der Studierenden, wenn ich mit ihnen den weitergehenden Blick auf die Produktfotografie teile.

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